Mainstream & Reaktanz

Mainstream und Reaktanz (M&R)

Mainstream

hat den großen Vorteil, dass man wenig Energien und Gedanken verwendet, um was zu tun. Man arbeitet mit dem Strom und spart Energie für anderes. Zusätzlich gewinnt man die Anerkennung der Kollegen und Institutsleitung, was das Leben wesentlich einfacher macht. Seit den 50er Jahren ist durch Studien belegt, dass ca. ¾ der Menschen dazu neigen, sich dem Mainstream anzuschließen, auch wenn es sich um eine offensichtlich falsche Wahrheit handelt. Nur etwa ¼ traut den eigenen Augen und Erfahrungen mehr, als der Gruppe. Im Mainstream ist das Individuum relativ sicher, wie in einem Schwarm von Fischen oder Vögeln.

Reaktanz

Der Begriff Reaktanz geht auf den Sozialpsychologen Chuck W. Prem zurück und besagt nichts anderes, dass Menschen manchmal ausscheren. Ganz allgemein ist Reaktanz ein typisches Abwehrverhalten, gegen jede Art von Einschränkungen, Verboten oder Druck.

Schwarmintelligenz

Eine Masse (Schwarm), die sich am Mainstream orientiert ist leicht manipulierbar. Für die „Hypnose der Masse“ genügt es in der Regel, einfache Botschaften und starke Bilder sehr oft zu wiederholen. Die Intelligenz der Masse (des Schwarmes) beruht im Wesentlichen auf drei Verhaltensregeln für das Individuum:

  1. Immer in Richtung des Mittelpunktes bewegen, dabei
  2. Zusammenstöße vermeiden, dabei sollte
  3. die grobe Richtung gleich sein, wie die des Nachbarn.

In einem Schwarm genügen sehr wenige Individuen, die die Richtung vorgeben und den kompletten Schwarm in eine Richtung lenkt. Die Gesetze der Schwarmintelligenz sind auch für das wissenschaftliche Leben relevant.

M&R in der Gesellschaft

Mainstream

„Kollision der Weltsichten“ individueller Personen finden nicht statt. Man ist geneigt sich der Meinung (Sichtweise) des anderen anzunähern und sichert sich derart einen Platz in der Gemeinde. Folgen wir dem Mainstream, so sind Wahrheiten und Gepflogenheiten allgemein gültig, selbst wenn sie in vorigen Generationen undenkbar waren. Dann sind es lediglich andere Mainstream-Ideen früher und heute.

Querdenker werden toleriert, solange sie belebend und nicht störend wirken, solange sich ihr Verhalten und ihr Querdenkertum im Rahmen des Schicklichen bewegen. Wer freimütig „seine“ Wahrheit sagt, muss dafür möglicherweise einen hohen Preis einsetzen. Jede Partei, Schulklasse, Gemeinde, stößt aus, was zu unbequem wird.

Reaktanz

Reaktanz beschreibt das zu Mainstream gegenteilige Verhaltensmuster. Wenn alle das gleiche sagen, animiert das dazu, eine kontroverse Meinung zu vertreten. Wenn sich alle einig sind, besteht der Verdacht, dass etwas nicht gut läuft. Jeder kennt aus seiner Schulzeit, dass alle gemeinsam auf einen Außenseiter losgehen. Reaktanz-Verhalten ist dem Trotz sehr ähnlich, verhindert aber eine Einheitsgesellschaft und verhindert Einheitsmeinungen, die der Tod jeder Demokratie und jedes wissenschaftlichen Fortschritts wären.

Es ist also die Reaktanz, die der massenpsychologischen Zwangsherrschaft der Masse entgegenwirkt und uns gleichzeitig die Fortschritte im Denken bescheren. Die Anhänger der Reaktanz-Denkweise erfüllen somit eine wichtige gesellschaftliche Funktion als „Sozialhygieniker“.

M&R in der Wissenschaft

Elias Canetti hat im Werk Masse und Macht beschrieben, dass „ein Schwarm zwar sehr mächtig sein kann, aber nicht unbedingt richtig liegen muss.“ In der Wissenschaft haben sowohl Mainstream und Reaktanz ihre Berechtigung, einfach deshalb, weil jede Strategie hilft, durchs Leben zu kommen.

Mainstream

Es ist eine Erfahrung, dass die Harmonie des Mainstreams selten etwas Innovatives und Bemerkenswertes hervorgebracht hat. Eine neue Idee stört naturgemäß die Harmonie des Mainstream.

Reaktanz

Querdenkertum (reaktantes Denken) ist ein leistungsstarker Motor für Innovation, aber Querdenken allein kann eine Innovation aus der Ideen-Phase nicht herausbringen. Um den Wert einer Idee (Innovation) auf deren Praxistauglichkeit zu prüfen, braucht es typischerweise ein Forschungs-Projekt.

M&R ergänzen sich

Um eine wissenschaftliche Idee in ihrer Bedeutung auszudehnen, braucht es systematische Forschung, die von Einzelnen nicht mehr geleistet werden kann. Reaktanz ist der treibender Motor, der die Idee liefert, aber erst die gesellschaftliche Übereinkunft für eine "wissensbasierte Gesellschaft" schafft die Voraussetzungen Innovative Ideen über Projekte auch zu realisieren.

Resümé

Um innovative Konzepte von „nicht-Mainstream-fähigen Querdenkern“ aus der Ideenphase herauszuführen, braucht es den Weg von interdisziplinär gemanagten Expertengruppen. Sonst läuft man Gefahr, dass erneuernde Veränderungen der "Schwarmintelligenz" zum Opfer fallen.